Die Sonne macht heute mal vorübergehend Pause, also ein perfekter Tag, um ein bisschen Art zu konsumieren. Der Platzhirsch in Sachen Kunstmuseum ist hier ganz klar der Ableger von Tate London: Tate St Ives. In früheren Blogs habe ich bereits ausführlich über die lokale Kunstszene und ihre Geschichte geschrieben. Heute gibt es aber einen ganz konkreten Grund, weshalb wir unbedingt noch ins Tate wollen, bevor unsere Ferien enden: Emilija Škarnulytė. Bis April 2026 zeigt sie hier eine Sonderausstellung. Wir kannten die Künstlerin vorher nicht, aber alles, was wir über sie gelesen haben, klingt unglaublich vielversprechend. Fragt mich nur bitte nicht, wie man ihren Nachnamen korrekt ausspricht.
Emilija Škarnulytė ist eine litauische Künstlerin und Filmemacherin, geboren 1987. Sie arbeitet vor allem mit Film, Video, Installation und immersiven Set-ups. Ihre grosse Stärke, vielleicht eher Obsession, liegt darin, dokumentarische Inhalte und Fiktion ineinanderfliessen zu lassen, bis die Grenzen komplett verschwimmen. Studiert hat sie unter anderem an der Brera Academy in Mailand sowie an der Tromsø Academy of Contemporary Art in Norwegen. Der nordische Einfluss ist in ihren Arbeiten unübersehbar: Landschaften, Geologie, Unterwasserwelten, Kälte, Tiefe, Zeit.
Škarnulytė baut filmische Welten, die sich anfühlen wie Expeditionen. Und genau das macht diese Ausstellung im Tate St Ives so besonders: dieses unmittelbare Gefühl des Eintauchens. Nicht anschauen, nicht konsumieren, sondern wirklich drin sein. In einer anderen Welt. Oder besser gesagt: in mehreren Welten gleichzeitig.
Wir könnten problemlos Stunden hier verbringen, ohne dass sich auch nur ansatzweise Langeweile einschleicht. Die Beamer projizieren in stetigem Wechsel immer neue Bilder, neue Sequenzen, neue Atmosphären. Mal gleitet man scheinbar schwerelos durch eine Unterwasserwelt, dann tauchen plötzlich Motive auf, die auf den ersten Blick komplett konträr wirken, etwa Kraftwerke oder industrielle Strukturen. Und doch: Sie fügen sich ein. Fast unheimlich nahtlos. Als wären auch sie Teil dieses ozeanischen Kosmos, einfach eine andere Schicht derselben Realität.
Besonders beeindruckend ist die Qualität der Projektionen. Diese Bildschärfe. Diese Tiefe. Diese Präzision. Und das alles in einer Dimension, die ich so noch nie gesehen habe. Hochaufgelöste Bilder in riesigem Format, gestochen scharf, ohne je kalt oder technisch zu wirken. Im Gegenteil: Sie ziehen einen rein, halten fest und lassen los. Wir sind restlos begeistert!
Eine Ausstellung, die man nicht einfach „besucht“, sondern erlebt. Und genau deshalb wirkt sie noch lange nach. Als wir das Tageslicht von St Ives wieder vor Augen haben, ist uns leicht schumrig, fast ein bisschen schwindlig. Perfekt also, dass sich im obersten Stockwerk des Tate das Museumscafé befindet. Mit fabelhaftem Blick über die kornische Perle am Atlantik geniessen wir ein erfrischendes Getränk und kommen langsam wieder im Hier und Jetzt an.
Heute Abend folgt dann noch eine kurze kreative Phase. Die Begeisterung sprudelt aus H-P nur so heraus. Er ist die Motivation in Person. Outfit-Check für die Silvesterparty...und nein, ganz bestimmt nicht so, wie ihr das jetzt erwartet. Sagen wir es so: Wären wir nicht hier, würden wir Silvester wohl kaum auf diese Art verbringen. Aber wir sind hier. Und genau weil wir das sonst nicht machen würden, ist es einfach top. Es gilt: ganz oder gar nicht. Also ganz. Vollgas!
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