Leudde! Heute isses endlich soweit: Wir fahrn’ mit dem Boot! Seit der Ankunft klebe ich quasi am Fenster. Am liebsten wäre ich direkt nach dem Auspacken auf die Hafenfähre gesprungen, die legt keine 300 Meter von unserer Wohnung entfernt an. Wir sind ready für spannende Anekdoten, Seemannsgarn und Insider-Infos. Hafenrundfahrt mit Abicht, dem Platzhirsch an den Landungsbrücken.
Der Frühling ist da. Wir schnappen uns einen Kaffee und ein Franzbrötchen und setzen uns draussen vor einen ehemaligen Milchladen mitten in der lebendigen Neustadt. Der Laden heisst jetzt einfach MILCH und ist eine richtig coole Kaffeebar mit eigener Micro-Rösterei. Der Cappuccino? Ein Traum. Das Wetter? Ebenfalls. Schon am Morgen so grell, dass ohne Sonnenbrille nichts geht.
Frisch gestärkt schlendern wir durchs Portugiesenviertel und sind direkt angefixt. So viele schöne Restaurants und Bars! Für einen kurzen Moment fühlt es sich an wie irgendwo im Süden. «Casa del Sabor», «Restaurante Porto», «Olá Lisboa» klingt alles nach Sommerferien. Wer genauer hinschaut merkt: Tapas, Pizza und Pasta sind ebenfalls vor Ort. Da haben sich also auch ein paar Spanier und Italiener dazugesellt. Neben den Restaurants gibt’s viele kleine Spezialitätengeschäfte. Perfekt, um sich ein bisschen „Sonne auf dem Tisch“ mit nach Hause zu nehmen.
Aber jetzt: genug Zeit an Land vertrödelt. Wir holen uns Tickets für die zweistündige Hafenrundfahrt XXL und boarden die „Hanna Abicht“, die in exakt sieben Minuten ablegt. Alle anderen sind natürlich schon da. Publikum: 98 % Silberfüchse, ein paar Familien...und wir zwei mittendrin. Hanna ist eine Luxusbarkasse, 2016 in Hamburg gebaut, zugelassen für 96 Passagiere, rund 21 Meter lang und etwas über 6 Meter breit. Diese Zahlen darfst du dir merken, sie werden später noch relevant.
Das Familienunternehmen Abicht betreibt eine der grössten Barkassen- und Fahrgastflotten Hamburgs. Die Geschichte beginnt 1926, als Kurt Abicht mit gerade mal 20 Jahren seine erste Barkasse kauft. Heute ist das Ganze in dritter Generation unterwegs. Heisst: Die kennen den Hafen nicht nur, die sind Teil seiner DNA. Und mit rund 30 Schiffen sind sie wirklich überall! Marktpräsenz? Gigantisch.
Unser Kapitän Thorsten, ist ein Multitalent. Ohne Witz: Der steuert das Boot und liefert gleichzeitig frei von der Leber weg seine Stories. Speicherstadt, Elphi, historische Facts alles spannend.
Aber ganz ehrlich: Ich warte auf die ganz grossen Kolosse. Wobei: Fun Fact am Rande; in der Speicherstadt lagern Teppiche im Wert von rund 1.2 Milliarden Euro. Und Hamburg hat über 2’500
Brücken, mehr als London, Amsterdam und Venedig zusammen. Wenn Thorsten das sagt, dann stimmt das.
Dann geht’s raus auf die Elbe. Volle Kraft voraus Richtung Nordsee. Zwischendurch werden wir von einer Hafenfähre ziemlich frech rechts überholt, klarer Fall von Verkehrsrowdy. Kurzzeitig im Vorteil, aber wir haben den längeren Atem. In der Ferne taucht Övelgönne auf, unser späteres Ziel nach der Rundfahrt.
Und dann passiert’s. Wir fahren in einen Bereich ein, in dem ein Containerschiff liegt, das einfach alles sprengt. Pink. Riesig. Unfassbar schön. „ONE INGENUITY“. Ich flippe innerlich komplett aus: 400 Meter lang. 61 Meter breit. 16.5 Meter Tiefgang. Baujahr 2023. Unterwegs im Asien-Europa-Dienst. Und jetzt kommt die Zahl: 24’136 TEU. Bedeutet: Über 24’000 Container. Komplett surreal. Im direkten Vergleich wirkt unsere „Hanna“ plötzlich wie ein Beiboot oder sogar wie eine Nussschale! Der Gigant hat einen Bremsweg von rund 7 km und alles was näher als 800 m vor dem Schiff ist, sieht der Kapitän nicht. Der tote Winkel entsteht aufgrund der Ladung, das Radar hilft!
Wir cruisen weiter und passieren die „AIDAdiva“. Ein eher „kleines“ Kreuzfahrtschiff mit rund 2’500 Passagieren auf 11 Decks und etwa 600 Crew-Mitgliedern. 250 Meter lang, knapp 40 Meter breit, Tiefgang 7.3 Meter. Spannend: Obwohl deutsche Reederei, fahren die AIDA-Schiffe unter italienischer Flagge, angeblich wegen weniger strenger Vorgaben bei Mindestlöhnen. Willkommen in der Realität der globalen Schifffahrt.
Bei Blohm+Voss schauen wir beim Bau von Luxus-Yachten zu. Einzelstücke, Sonderanfertigungen, Einstiegspreise im dreistelligen Millionenbereich. Die „Dilbar“ ist ein berühmtes Beispiel. Sie soll rund Rund 800 Millionen Dollar gekostet haben. Und für den Unterhalt darf man jährlich etwa 10 % davon einplanen. Okee, alles klar.
Zwei Militärschiffe sind ebenfalls im Bau, wir könnten noch ewig hier herumkurven. Aber irgendwann drehen wir wieder Richtung Landungsbrücken. Zwei Stunden nach Abfahrt sind wir zurück und hüpfen direkt um auf die Fähre Nr. 62 nach Övelgönne.
Dort: ein bisschen rumlaufen und dann ein Late-Lunch bei Hoppe’s. Apérol Spritz, Hummersuppe, Sonne im Gesicht und dieser Blick auf die Elbe. Mehr geht wirklich nicht. Zum Abschluss mieten wir uns noch ein Stadtrad und fahren zurück in die City. Die Dinger? Absolute Scheiss-Göpel. Und grobes Kopfsteinpflaster, es hört nicht mehr auf. Nach ein paar Minuten fühlt es sich an, als würde sich die Hirnmasse langsam in Cappuccino-Schaum verwandeln, der Hintern...ich fang gar nicht davon an und wir sehen nur noch verschwommen. Aber hey! Spass gemacht hat’s trotzdem.
A

















Kommentar schreiben