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Kennt ihr Karo?

Der letzte Tag bricht an und die Sonne ist zurück! Heute wollen wir uns nochmals so richtig treiben lassen, und zwar in einem wunderbaren, alternativen und kreativen Stadtteil. Offiziell heisst er Karolinenviertel, aber Karo reicht völlig. Jeder weiss, was gemeint ist.

Auf der Stadtrundfahrt haben wir vor kurzem gelernt, dass es zwar U-Bahn heisst, diese aber mehrheitlich nicht U, sondern Ü fährt. Die S-Bahn hingegen ist oft unterirdisch unterwegs. Wir finden: macht absolut Sinn und fahren mit der U-Bahn, mit bestem Blick über die City, zur Haltestelle Feldstrasse. Es ist kurz vor 9 Uhr und wir sind zusammen mit zahlreichen Lieferanten unterwegs, die Nachschub in die Restaurants bringen. Alle anderen schlafen offensichtlich noch oder sind längst bei der Arbeit.

 

Direkt bei der Feldstrasse steht der imposante Feldstrassen-Bunker. Das Gebäude ist riesig und irgendwie auch optisch irritierend. Er wurde während der Zeit des Nationalsozialismus zwischen 1942 und 1944 von Zwangsarbeitern errichtet. Die massiven Betonbauten dienten dem Schutz der Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg, aber auch der propagierten Wehrhaftigkeit des NS-Regimes. Zeitweise suchten über 20’000 Menschen in diesem Hochbunker Schutz vor Luftangriffen.

 

Während viele der Bunker von den Alliierten gesprengt wurden, hat der „Grüne Bunker“, wie er jetzt genannt wird, überlebt. Heute beherbergt er Szene-Clubs, Restaurants, Medienunternehmen und - als neusten Zuwachs- einen grünen Stadtpark auf dem Dach, in über 50 Metern Höhe. Der Betonkoloss ist damit Mahnmal und Ort der Kreativität zugleich. Einige Anwohner betreiben hier oben sogar Urban Gardening.

 

Da schlendern wir so durch die kleinen Gässchen und erspähen plötzlich in nächster Nähe einen imposanten Turm. Der Fernsehturm ist zwar für die Öffentlichkeit geschlossen, macht optisch aber immer noch ordentlich was her. Es wird gemunkelt, dass er inklusive Restaurant in den nächsten Jahren wieder eröffnet werden soll. Wer weiss! Früher konnte man sich hier einen echten Adrenalin-Kick holen und am Bungee-Seil runterspringen. Leider gab es zu viele Unfälle, allerdings nicht die, die ihr jetzt denkt: Nicht die Springer sind unten aufgeklatscht, sondern die Autofahrer, die vorbeifuhren, waren so irritiert, dass es regelmässig zu Unfällen kam. Übel und die Messehallen sind auch noch gleich daneben. 

 

Wir haben noch nicht gefrühstückt und entdecken ein wunderschönes Café mit dem noch schöneren Namen «Gold im Mund». Wir bekommen ein gemütliches Plätzchen direkt am Fenster und damit in der Sonne. Herrlich. Der Kaffee ist optisch wie geschmacklich eine Klasse für sich. Das Essen, "Shakshuka" und "Onsen&Schaum" absolute Topliga. Und die Ladies hinter dem Tresen? Wahre Goldschätze. Würden wir hier wohnen, wären wir Stammgäste. Keine Frage.

 

Im Gegensatz zu typischen Innenstädten mit den immer gleichen Läden grosser Ketten sticht das Karoviertel mit Individualität und bunter Lebendigkeit hervor. Es gibt praktisch nur kleine Läden, jeder für sich speziell und liebevoll gestaltet. Vieles wird vermutlich direkt vor Ort produziert, wir sehen immer wieder, dass sich hinter den Shops auch Ateliers verbergen. Das Quartier wirkt farbig und frisch, auch wenn einige Ecken etwas roh, ruppig und ungeschliffen daherkommen. Die Kreativität ist überall spürbar genauso wie der typische Hamburger Charme. Und auch Liebhaber von coolen Kneipen und Bars kommen hier voll auf ihre Kosten. Die Streetart ist beeindruckend und praktisch an jeder Ecke zu finden. Klar, dass wir da das eine oder andere Foto knipsen.

 

Online lesen wir, dass der Zusammenhalt im Karoviertel grossgeschrieben wird. Es gibt immer wieder Versuche, grössere Sanierungsprojekte und Stadtentwicklungen durchzusetzen, bisher glücklicherweise ohne Erfolg. Karo bleibt Karo. Und wo sonst kann man Halsketten aus rezyklierten Veloschläuchen kaufen?

 

Am späteren Nachmittag sind wir zurück in der Wohnung und packen unsere Taschen, bevor wir um 18:00 Uhr unser letztes Dinner in Hamburg geniessen. Wir haben im Restaurant Bootshaus reserviert. Es liegt direkt bei den Magellan-Terrassen, keine vier Minuten zu Fuss von unserer Wohnung entfernt.

 

Wir werden überaus freundlich begrüsst, und das Interior Design ist eine moderne maritime Augenweide. Auf der Cocktailkarte steht ein «Spicy Margarita», der Bartender serviert ihn gleich selbst. Natürlich lasse ich mir die Gelegenheit nicht entgehen, etwas über das Rezept herauszufinden. Als er merkt, dass wir den Drink kennen, selbst mixen und seine Arbeit zu schätzen wissen, hat er (glaube ich) kurz richtig Freude.

 

Der kulinarische Fokus im Bootshaus liegt ganz klar auf erstklassigen Steaks. In der Küche steht ein Josper-Holzkohlegrill mit einer Betriebstemperatur von rund 450 Grad. WOW!!! Von der Vorspeise über den Hauptgang bis hin zum Dessert, begleitet von grossartigen Drinks, ein echtes Feuerwerk für den Gaumen. Eine absolute Empfehlung. Wir kommen sicher wieder.

 

Tschüss Hamburg, bis zum nächsten Mal! ...und nicht erst in 10 Jahren!

 

A

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