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Lauterbrunnen, Schweiz

Den freien Tag am ersten Mai nützen wir gnadenlos aus und cruisen für ein langes Weekend ins Berner Oberland. Diese Region haben wir 2021 für uns entdeckt. Vorher war «Kanton Bern» für uns vor allem die City. Heute wissen wir: WOW, WOW, WOW!

Auf dem Camping Jungfrau in Lauterbrunnen haben wir eine Préstige-Parzelle reserviert. Wieso diese Kategorie? Klingt schon mal vielversprechend und vor allem: garantierter Blick auf den Staubbachfall. Check-in ist erst ab 15.00 Uhr, also perfekt für einen Zwischenstopp. Sigriswil it is; zur berühmten Hängebrücke. 340 Meter lang, bis zu 180 Meter hoch. Klingt nach Spass, oder? Für mich eher so semi. Ich taste mich mit Höhenangst ins erste Drittel vor und nenne das dann Erfolg. H-P läuft rüber und zurück und meint trocken: «Hey ohne Scheiss, in der Mitte hat’s so geschwankt, da hab sogar ich die Hände aus den Hosentaschen genommen». Alright, noted. 

 

Der letzte knappe Kilometer zum Camping wird dann zur Geduldsprobe deluxe. Wir pflügen uns durch gefühlt tausende internationale Touristen. Komplett fasziniert vom Staubbachfall bleiben sie mitten auf der Strasse stehen, springen plötzlich nach links oder rechts oder einfach gar nicht mehr. Reiseleiter mit Wimpeln versuchen Ordnung ins Chaos zu bringen, Eltern sammeln ihre Kids ein und als wäre das nicht genug, kommen uns auch noch Kühe entgegen. Willkommen im Berner Oberland!

 

Für alle Camping-Fans: Falls ihr noch nie auf dem Camping Jungfrau wart - das ist euer Zeichen. Wir sind zum zweiten Mal hier und wissen jetzt schon: das war nicht das letzte Mal. Nachdem der Van perfekt steht, kümmern wir uns um unser neues Materialzelt. Zeltaufbau ist ja bekanntlich etwas für geduldige Menschen… und solche, die die Anleitung lesen. Ich mache wie immer freestyle irgendwas mit Stangen und Stoff, während H-P das Chaos erst beobachtet, dann übernimmt und voilà: Das Zelt steht. Teamwork, oder?

 

Am Abend wird’s kulinarisch. Wir sitzen draussen, der Käse schmilzt im Raclette-Pfändli über den Rechaudkerzen, der Bellini perlt die Kehle runter, das Trockenfleisch ist on point und das Brot vom Beck herrlich knusprig. Vanlife delüx - wir fühlen’s.

 

Samstagmorgen: der Wecker klingelt unanständig früh. Noch vor allen anderen stehen wir  in den gemeinschaftlichen Sanitäranlagen und machen uns ready für den Ausflug. Die Postauto-Haltestelle ist nur 7 Gehminuten entfernt und kurz darauf sitzen wir schon im Bus 141 Richtung Stechelberg. Von dort geht’s mit der Gondel via Mürren und Birg hoch aufs Schilthorn. Mehrfach umsteigen, jedes Mal ein bisschen mehr Höhe, jedes Mal ein bisschen mehr Kribbeln. Allein die Fahrt ist schon ein Erlebnis.

 

Oben auf dem Piz Gloria stehen wir tatsächlich erst mal ganz allein auf der Terrasse. Blauer Himmel, klare Sicht, diese Bergkulisse ist absolut surreal. Wir lassen die Drohne steigen und erreichen damit unseren persönlichen Höhenrekord: 2970 m ü. M. auf dem Schilthorn. Maximal erlaubte Flughöhe 120 Meter, und wir holen alles raus. Die Bilder? Einfach nur wohoooo!

 

Irgendwann meldet sich dann doch der Magen. Brunch-Reservation im Drehrestaurant, wir sind sowas von bereit. Tisch 19 gehört uns, direkt am Fenster. Kaum kommen wir mit dem ersten Teller zurück, zieht plötzlich Nebel auf und das Gebäude wird in Wattebällchen gehüllt. Mal sind wir mitten drin, mal reisst es wieder auf. Fast schon kitschig. Das Essen ist fabelhaft und auf dem Rückweg ins Tal steigen wir bei jeder Station aus und verlassen das Gebäude, um noch mehr zu sehen. H-P lässt es sich natürlich nicht nehmen, auf Birg noch den Thrill Walk zu machen: Glasboden, Viehrost, senkrecht abfallende Felswand. Ich sag mal so: Thank you, no thank you. 

 

In Mürren gönnen wir uns noch einen gemütlichen Spaziergang, bevor wir am Abend den Grill anschmeissen. Zurück auf unserer Parzelle geniessen wir den Blick auf gleich vier Wasserfälle. Das Postauto hornt, die Kuhglocken bimmeln und wir sitzen einfach da und denken: Herrliches Vanlife!