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PILCHARDS, SPIELAUTOMATEN & SPICY MARGS!

The Cornish Weather is back! ...und zwar in sämtlichen Facetten, die traditionsgemäss zur Westküste Englands gehören. Es ist rund zehn Grad kühler als noch vor einer Woche und wir sind unglaublich froh, dass die Regenjacken nun doch noch zum Einsatz kommen. Das wäre sonst eine ziemlich ineffiziente Platzverschwendung im Koffer gewesen. Wir haben so ca. alle 20 Minuten komplett andere Wetterbedinungen. Von "Uff, Jacke ausziehen, ich verschmachte bis Brrrrrr, sapperlot ich krieg grad einen Kuhnagel" sind alle Nuacen mehrfach pro Stunde dabei! Kein Problem, wir sind's gewohnt!

 Nach dem Motto «Wir machen genau das, worauf wir spontan Lust haben und passen alles dem Flow des Wetters an» geniessen wir unsere letzten Tage in SNIVES.

Und was wir aktuell so treiben? Ein herrlich bunter Mix aus allem, was Ferien ausmacht, z.B.:

  • Durch Gassen streunen
    Mehrmals täglich schlendern wir durch die verwinkelten, teils abenteuerlich verschachtelten Gassen von St Ives. Die wunderbar erhaltenen Steinhäuser sind eine Augenweide und wir haben bis heute das Gefühl, irgendwo noch eine Seitenstrasse entdecken zu können, die wir in elf Jahren übersehen haben. Gutes Schuhwerk ist Pflicht. High Heels tragen hier ungefähr gleich viele Menschen wie Skischuhe am Strand. Und wer die Dachvorsprünge kennt, unter denen man sich bei einem spontanen Regenguss unterstellen kann, hat definitiv einen Heimvorteil.

  • Spielhölle statt Strand
    In der Vintage-Spielhalle «Harbour Amusement Arcade» zocken wir, bis die Nervenstränge bersten. Oder genauer gesagt: bis die Dinosaurier im Jurassic-Park-Spiel endgültig sterben, weil wir sie trotz vollem Einsatz nicht retten können. Auch die Zombies bei «Dead Man Walking» gewinnen zwischenzeitlich die Oberhand und an den Münzautomaten bin ich ebenfalls nicht reich geworden. Über die Ferien verteilt habe ich rund 40 Pfund verzockt. In bar, notabene. Das war gleichzeitig auch der einzige Moment, in dem wir überhaupt Bargeld gebraucht haben. Cornwall ist mittlerweile fast komplett cashless.

  • Kunst mit Weitblick
    Natürlich zieht es uns auch wieder ins Tate St Ives. Die aktuelle Sonderausstellung widmet sich der litauisch-amerikanischen Künstlerin Aleksandra Kasuba. Nach ihrer Flucht aus Litauen nach dem Zweiten Weltkrieg lebte sie zunächst in New York und später in New Mexico. Die Ausstellung spannt einen Bogen über sieben Jahrzehnte ihres Schaffens, von frühen Gemälden und Mosaiken bis hin zu ihren späteren Skulpturen und architektonischen Entwürfen. Besonders beeindruckend finde ich, wie stark ihre Arbeiten von der Natur inspiriert sind. Muscheln, Felsen, Pflanzen und Meereslebewesen tauchen immer wieder auf. Vieles wirkt erstaunlich modern. Bereits vor Jahrzehnten beschäftigte sie sich mit Fragen des verdichteten Zusammenlebens und alternativen Wohnformen. Themen, die heute aktueller sind denn je. Ich habe das Gefühl, sie war ihrer Zeit weit voraus.

  • Das Museum der 1000 Exponate
    Nach elf Jahren schaffen wir es endlich ins St Ives Museum. Das Wort «endlich» relativiert sich allerdings ziemlich schnell. Bereits beim Betreten des zweistöckigen Gebäudes schlägt uns ein leicht modriger Geruch entgegen. Gleichzeitig stehen gefühlt überall Exponate. Und zwar wirklich überall. Mich erschlägt die Informationsdichte fast. Ich weiss überhaupt nicht, wo ich zuerst hinschauen soll. H-P hingegen findet das Ganze «interesting» und arbeitet sich mit bemerkenswerter Systematik Raum für Raum durch die Ausstellung. Ich würde ehrlich gesagt am liebsten direkt wieder raus. Geht natürlich nicht. Also schon. Aber das wäre irgendwie komisch. Die Sammlung umfasst Kunst, Landwirtschaft, Bergbau, Fischerei, Schifffahrt, Eisenbahn, Haushalt, Mode und vermutlich noch zwanzig weitere Kategorien.

    Sagen wir es einmal so: Es gibt hier wirklich alles...ausser jemanden, der sich gefragt hat, was Besucher tatsächlich sehen möchten.
    Vielmehr scheint die Philosophie zu lauten: «Hat vielleich historischen Wert? Her damit!»
    So stehen beispielsweise fünf nahezu identische, kohlebetriebene Bügeleisen friedlich nebeneinander.

    Im Keller werde dann aber auch ich plötzlich hellhörig. Dort geht es um die lokale Fischerei und wir lernen, dass wir praktisch im historischen «Pilchards Plaza» wohnen. Genau dort, wo heute die Gebäudekomplexe Barnaloft und Piazza stehen, wurden zwischen dem 16. und 19. Jahrhundert grosse Mengen Pilchards,  also Cornish Sardines, verarbeitet und in Salzlake eingelegt. Direkt aus dem Atlantik gefischt und vor Ort für den Export vorbereitet. Plötzlich bekommt die Nachbarschaft nochmals eine ganz neue Geschichte.

  • Shopping mit Dauer-Rabatt
    Auch Shopping gehört selbstverständlich dazu. Seit unserer Ankunft hängen vor vielen Geschäften Schilder mit «Today 20% Off». Nach drei Tagen wurde uns langsam klar, dass dieses «Today» offenbar sehr flexibel ausgelegt wird. H-P hatte das übrigens bereits am ersten Tag korrekt analysiert: «Die drucken doch keine teuren Schilder für nur eine Woche.» Er hatte recht. Wir kaufen vor allem Outdoor- und Freizeitkleidung mit diesem typisch britischen Surfer-Vibe. Mehrere Marken stammen sogar direkt aus Cornwall. Dazu kommen einige reisefähige Gourmet-Spezialitäten und natürlich das eine oder andere Souvenir. Wer gerne stöbert, wird in der Fore Street definitiv glücklich.

  • Kulinarische Höhenflüge 
    Dass das Essen hier grossartig ist, habe ich vermutlich schon mehrfach erwähnt. Aber es bleibt dabei. Ein kulinarischer Höhenflug jagt den nächsten. Seit letztem Jahr gibt es direkt an der Wharf zudem das «Chilito», einen hervorragenden Mexikaner, der unser Heimweh nach San Diego zumindest kurzfristig verschwinden lässt. Wobei…vielleicht waren es auch einfach die Spicy Margaritas, die unsere Seelen etwas betäubt haben!

 

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